Gustav Klimt und die byzantinische Kunst: Der Baum des Lebens im Mosaik-Fries des Stoclet-Palastes, Brüssel

Vortrag von Dr. Jenny Albani (Athen)

Der in der Bibel erwähnte Baum des Lebens, der nach patristischen Interpretationen allegorisch und typologisch mit Christus, dem Heiligen Kreuz und den Reliquien des Heiligen Kreuz in Zusammenhang steht, taucht oft in der christlichen Kunst auf. In Byzanz wurde er oft nach antiken orientalischen Vorbildern zwischen Löwen, Vögeln oder Sphinxen dargestellt.

Der vom österreichischen Künstler Gustav Klimt zwischen 1905 und 1911 entworfene Wandfries des Stoclet-Palastes in Brüssel besteht aus drei Mosaiktafeln, die den Speisesaal der luxuriösen Residenz des Großindustriellen Adolphe Stoclet verzierten. Der Vortrag befasst sich mit der Frage, ob byzantinische Einflüsse auf die Ikonographie und den Stil des „Stoclet Frieses“ zu erkennen sind, auf dem der Baum des Lebens als zentrales Bildthema auftritt.

Es ist bereits bekannt, dass die byzantinischen Wandmosaiken, die Klingt während seiner Reisen nach Venedig und Ravenna (1890 und 1903) bewunderte und studierte, eine morphoplastische Rolle in den Werken der sogenannten „goldenen Periode“ (1899-1910) spielten. Die byzantinischen Emails, die in San Marco erhalten geblieben sind, könnten auch dem Künstler als Inspirationsquelle gedient haben. Darüber hinaus weisen die symbolischen Elemente des Stoclet-Frieses darauf hin, dass Klimt sich mit der frühchristlichen und mittelalterlichen Ikonographie gut auskannte.

Der Baum des Lebens im Mosaikfries des Stoclet-Palastes in Brüssel (Abb.: wikimedia commons).

Der Baum des Lebens im Mosaikfries des Stoclet-Palastes in Brüssel (Abb.: wikimedia commons).

15.11.2017, 18:15

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Raum 02.521


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