Sassanidische Spuren in der byzantinischen, kaukasischen und islamischen Kunst und Kultur

Internationale Tagung des Leibniz-WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident

Die kunsthistorische, historische und archäologische Forschung schenkt erfreulicherweise seit einiger Zeit dem Kulturaustausch zwischen Christentum und Islam, besonders zwischen dem christlichen Byzanz und seinen islamischen Nachbarn, vermehrt Aufmerksamkeit. Diplomatischer Geschenkaustausch, Handel, Künstlermobilität und der Motivschatz auf Kunstgegenständen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen, wobei auch die christlichen kaukasischen Regionen in die Betrachtung einbezogen werden. Die nachvollziehbaren Berührungspunkte, die von Spanien bis Afghanistan reichten, rechtfertigten diese Vorgehensweise. Doch vermisst man eine grundlegende Untersuchung über die fortwirkende Rolle der persischen Sassaniden. Denn nur durch Einbeziehung dieser Kultur können wir viele Elemente in Byzanz sowie in Armenien und Georgien richtig einordnen und mehrere Phänomene der Islamischen Kunst und Kultur verstehen.
Das persische Sassanidenreich (224-651 n. Ch.) erstreckte sich in der Spätantike und im Frühmittelalter auf Territorien des heutigen Iran, Irak, Aserbaidschan, Pakistan und Afghanistan. Die Kaukasusregionen blieben unter ihrem politischen Einfluss. Sie waren bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts die wichtigsten Gegner des Römischen bzw. des Oströmischen (Byzantinischen) Reiches. Viele Elemente der sassanidischen Kunst und Kultur beobachten wir in den angrenzenden Gebieten wie in Byzanz oder im christlichen Kaukasus.
Die Beziehungen zwischen den Sassaniden und den genannten Völkern endeten, als im Osten ein neuer Akteur auftrat, und zwar die islamischen Araber. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts begann die arabische Expansion auf Teilen des ehemaligen sassanidischen Territoriums, wodurch Kunst und Kultur der Araber ebenfalls stark von sassanidischen Einflüssen geprägt wurden.
Seit dem 10. Jahrhundert entstanden auf ehemals persischem Boden die türkischen Dynastien der Ghaznawiden (963-1186) und Großseldschuken (1029-1157 de facto bis zum 13. Jh.). Diese verstanden sich sowohl als Türken wie auch als Erben der Sassaniden, in den byzantinischen Quellen werden sie ganz selbstverständlich als „Perser“ bezeichnet. Die sassanidischen Kunst- und Architekturtraditionen wurden in diesen Kulturen weitergeführt. Es gilt auch für die türkischen Rum-Seldschuken, die in Anatolien ein eigenes Reich gegründet hatten. Persisch war die Hofsprache, die Herrscher trugen Namen der sassanidischen Helden aus dem Schahname (Keykubad, Keyhüsrev, Keykavus). Trotz des religiösen Verbots wurden nach sassanidischem Vorbild mit Wein verbundene Trinkgelage dargestellt und auch in den Zeremonien und Feierlichkeiten verwendet.
Es ist daraus zu ersehen, dass künstlerische und kulturelle Kontakte zwischen Sassaniden und angrenzenden Kulturen nicht nur während ihrer Blütezeit stattfanden, sondern wesentliche Bestandteile ihrer Kultur auch nach ihrem Untergang in den auf ihrem ehemaligen Territorium gegründeten Staaten überdauerten. Wie die griechische und römische Kultur besonders in Europa nachhaltig Spuren hinterlassen hat, wirkte auch das kulturelle Erbe der Sassaniden im Osten und bei den angrenzenden christlichen Völkern fort und stieß auf eine breite Akzeptanz.

Die Tagung versteht sich in der Nachfolge der Tagung "Der Doppeladler. Byzanz und die Seldschuken in Anatolien vom späten 11. bis zum 13. Jahrhundert", die im Oktober 2010 im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz durchgeführt wurde. Im Rahmen dieser Tagung wurden die kulturellen Beziehungen zwischen dem Islam, vor allem dem türkischen Islam und Byzanz sowie dem Kaukasus diskutiert. In der Folgetagung  soll die Aufmerksamkeit auf die Kultur der persischen Sassaniden und deren Nachwirkungen gelenkt werden.

Förderung

Forschungsschwerpunkt Historische Kulturwissenschaften

Organisation

Prof. Dr. Falko Daim (Mainz)
Prof. Dr. Neslihan Asutay-Effenberger (Mainz)

Sassanidische Silberschale, Großkönig bei der Jagd (ca. 7. Jh.; RGZM O.39282) (Foto: RGZM).

Kämpfer-Kapitell mit einer Darstellung des Paradiesbaumes aus der Polyeuktos-Basilika in Istanbul (Foto: N. Asutay-Effenberger).

18. Oktober 2017
- 20. Oktober 2017

RGZM | Römisch-Germanisches Zentralmuseum
im Kurfürstlichen Schloss
Ernst-Ludwig-Platz 2
55116 Mainz

Vortragssaal

Programm

Plakat

Anmeldung: jessica.schmidt(at)rgzm.de