Kirchenrecht und Historiographie als Verbreitungswege ostkirchlicher Normen im Frankenreich: neues Forschungsprojekt von der DFG gefördert

Ein Teilbereich des von Prof. Dr. Ludger Körntgen und Prof. Dr. Wolfram Brandes geleiteten Projektes „Kirchenrecht und Historiographie als Verbreitungswege ostkirchlicher Normen im Frankenreich: Collectio Vetus Gallica und Liber Historiae Francorum“ wird jetzt für zwei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Unter dem Titel „Kirchliches Recht und kirchliche Reform im Wandel des merowingisch-frühkarolingischen Frankenreichs: Der Überlieferungskomplex um die Collectio Vetus Gallica“ erforschen Helena Geitz und Ludger Körntgen ein Konvolut kirchenrechtlicher und paränetischer Texte, das in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts im wichtigen nordfranzösischen Kloster Corbie zusammengestellt und im ganzen Frankenreich verbreitet worden ist. Dabei geht es insgesamt darum, kirchliche Reforminitiativen genauer zu beschreiben und inhaltlich zu profilieren, die den Übergang des fränkischen Königtums von den Merowingern auf die Karolinger begleiteten und in mancher Hinsicht wohl auch vorbereiteten. In diesem Rahmen konzentriert sich das Dissertationsprojekt von Helena Geitz auf solche Texte, die in der Überlieferung explizit mit der Autorität der Päpste verbunden waren; besondere Aufmerksamkeit gilt dabei einer verkürzten Fassung des Protokolls der römische Synode aus dem Jahr 721, die erstmals das in der Ostkirche geprägte Ehehindernis der geistlichen Verwandtschaft mit päpstlicher Autorität im Westen propagierte. Als Projektleiter wird Ludger Körntgen vor allem Überlieferungszusammenhang und Bedeutung des Paenitentiale Excarpus Cummeani und einer speziellen Textrezension der Iudicia Theodori (U) untersuchen. Als frühe kontinentale Rezeptionszeugen der Bußsatzungen, die auf den aus dem byzantinischen Kleinasien stammenden Erzbischof Theodor von Canterbury zurückgehen, sollen diese Überlieferungen zugleich als Vermittlungsinstanzen von Wissen über Praktiken und Vorstellungen der Ostkirche analysiert werden.

Das Projekt startet im Juli 2021 und ist im Themenbereich 1 des Themenschwerpunkts Byzanz zwischen Orient und Okzident: Aneignung, Übersetzung und Verbreitung von Wissen, Ideen und Objekten verortet.

St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 675, p. 164 (www.e-codices.ch)

St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 675, p. 164 (www.e-codices.ch)