Die Vita des Heiligen Georgios im Bild anhand der byzantinischen Wandmalerei Kretas

Der Heilige Georgios ist wohl einer der bekanntesten und am häufigsten dargestellte Militärheilige in der byzantinischen Kunst. Erste repräsentative Darstellungen des Heiligen lassen sich in der Kleinkunst und Wandmalerei des 6. Jahrhunderts finden und sind bis in die spätbyzantinische Zeit bekannt. Die ersten narrativen Darstellungen stammen aus dem Ende des 10. Jahrhunderts. Als Beispiele seien die Malereien in der Theotokoskapelle in Göreme und Karaǧedik Kilise in Kappadokien genannt. Während Zypern, Kappadokien und Georgien als Regionen mit einer hohen Verbreitung des Heiligenkultes um Georgios angesprochen werden, befinden sich auch auf Kreta eine Vielzahl an Kirchen, die dem Heiligen gewidmet und mit narrativen Darstellungen aus seinem Leben ausgeschmückt sind. Die Insel bietet somit sehr viel und teilweise unbekanntes Material zur Untersuchung dieser Szenen.

Auf Kreta konnten bisher über 60 Kirchen ausgemacht werden, die nicht nur eine repräsentative Darstellung des Heiligen zeigen, sondern auch seine Vita in mehreren Szenen wiedergeben. Die Malereien entstanden in einem Zeitraum vom 11./12. Jahrhundert (Kalamas) bis ins 15. Jahrhundert (Kato Floria), wobei der Großteil der Malereien in die spätbyzantinische Zeit datieren. Das Projekt lässt sich somit in die Forschungen zur Kunst und Kultur Kretas unter venezianischer Herrschaft (1211-1669) eingliedern.

In der Arbeit sollen die Vita-Zyklen des Heiligen Georgios und ihre narrativen Szenen untersucht werden. Aufgrund des unterschiedlichen Erhaltungszustandes gehören zum Forschungsbereich nicht nur Zyklen mit mehreren Szenen, wie beispielsweise in der Georgskirche in Cheliana (16 Szenen), sondern auch einzelne narrative Darstellungen, die auf einen ursprünglich größeren, aber nicht mehr vollständig erhaltenen Zyklus hinweisen. Die dargestellten Bildthemen reichen von der Geburt des Heiligen über seine Martyrien und Wunder bis zu seiner Grablegung. Diese einzelnen Bildthemen sollen ikonographisch untersucht und miteinander verglichen werden, um unterschiedliche Darstellungsweisen herausarbeiten zu können.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Zusammensetzung und Reihenfolge einzelner Szenen zu einem Zyklus. Diese Untersuchung und die Position der Anbringung der Georgsszenen im Kircheninneren dienen der Ermittlung des Stellenwertes der Patronatszyklen innerhalb des Bildprogramms. Hierbei ist insbesondere der Kontext, in dem die Zyklen des Heiligen Georgios stehen, zu berücksichtigen. Es wird zu untersuchen sein, in welchem Zusammenhang die Darstellungen des Heiligen zum restlichen Bildprogramm stehen und welche Schlüsse sich daraus erkennen lassen. Abschließend stellt sich auch vor dem Hintergrund des kulturhistorischen Kontextes die Frage, warum die narrativen Szenen des Georgios in den Kirchen Kretas so häufig dargestellt wurden und bei den Auftraggebern so beliebt waren.


Betreuung der Dissertation: Prof. Dr. Vasiliki Tsamakda, Johannes Gutenberg-Universität Mainz


Mitarbeit

Anke Dingler M.A.
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