Kämpfer auf dem Schlachtfeld – Kämpfer in den Texten

Das Bedürfnis, wichtige Ereignisse für die Nachwelt zu fixieren, ist ein inhärentes Element menschlicher Kultur. Im Mittelalter zählten dabei Kriege zu jenen Ereignissen, die in der Historiographie besonders häufig thematisiert wurden und oft das Verfassen solcher Werke überhaupt erst evozierten. Die Chronisten beschrieben in ihren Werken jedoch nicht sämtliche Details der Kämpfe, sondern fokussierten sich auf einzelne Ereignisse, Personen oder Handlungen, wobei besonders Kämpfer häufig in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt wurden. Durch dieses Vorgehen erfolgte nicht nur die Reduktion der Kampfhandlungen auf ein überschaubares Maß, sondern auch die Vermittlung bestimmter Erzählungen an einen Adressatenkreis. Diese Erzählungen sollen mithilfe des narratologischen Analyseangebotes untersucht werden, um einen Einblick in die Vorstellungswelten spätmittelalterlicher Autoren, ihrer Intentionen und ihr Vorgehen bei der Konstruktion von Schlachten sowie den beteiligten Akteuren zu erhalten.

Im Rahmen des Promotionsprojekts „Kämpfer auf dem Schlachtfeld – Kämpfer in den Texten“ wird somit anhand der Schlacht am Morgarten (1315) sowie der Schlachten von Mühldorf (1322) und Sempach (1389) exemplarisch untersucht werden, wie in der spätmittelalterlichen Historiographie Schlachten beschrieben und Männer als Kämpfer konstruiert wurden.

Dabei werden verschiedene Ebenen Berücksichtigung finden: Zum einen die Frage nach dem Standpunkt der jeweiligen Autoren sowie nach ihrem Publikum und zum anderen nach der Darstellung der Kämpfer in den erzählenden Quellen und nach zugehörigen Kategorien wie „Einzelkämpfer“ oder „Personengruppen.“ Diese werden wiederum unterteilt werden, um klare Analysekategorien zu schaffen. Ergänzend dazu wird die Verwendung von geografischen, klimatischen und temporalen Elementen in den Quellen analysiert und hinsichtlich ihrer textimmanenten Funktionen untersucht werden. Dabei ist eine grundlegende Prämisse, dass ein Ereignis je nach Erzählung und Autor unterschiedliche Funktionen erfüllen kann und der Sinn der gewählten kriegerischen Auseinandersetzungen je nach Autor divergiert.

Die gewählten Schlachten bieten sich für eine solche Untersuchung aufgrund ihrer reichhaltigen Überlieferung an, die bislang primär auf einer Ereignisebene und nicht mithilfe narratologischer Ansätze untersucht wurde. Im Fall der Schlacht von Mühldorf ist darüber hinaus bemerkenswert, dass nicht nur die Siegerperspektive überliefert wurde, sondern auch die der Besiegten, was die Möglichkeit bietet, unterschiedliche Intentionen und deren Umsetzung als Erzählungen in den Quellen zu untersuchen und zu vergleichen.

 

Betreuung:

Univ.-Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch

Univ.-Prof. Dr. Jörg Rogge

Förderung:

DFG (GRK 2304)


Der Kampf der Gegenkönige.

Der Kampf der Gegenkönige.

Mitarbeit

Helen Wiedmaier M.A.