Memoria in the Byzantine World, ca. 500-1500

Dieses Habilitationsvorhaben widmet sich einem der grundlegenden Phänomene der byzantinischen Gesellschaft, das bisher nur vereinzelt wissenschaftliches Interesse geweckt hat: die Memoria (Gr. mnemosyna / μνημόσυνα).

Im Grunde genommen funktioniert Memoria als Sammelbegriff, der die Ideen und Praktiken der Byzantiner für die Kommemoration sowie das Gedenken der Toten umfasst. Diese Praxis bestand in Gedenkgebete, Totenmessen und –mähler und Verteilungen an die Armen und Bedürftigen. Wenngleich die vielen monastischen Urkunden aus byzantinischen Klöstern am ausführlichsten über die Gedenkpraktiken berichten, bieten auch andere Quellengattungen wie kanonisches und weltliches Recht, Hagiographie und Theologie wertwolle Einblicke in das Totengedenken an, von den Sachzeugnissen ganz zu schweigen. Wie Otto Gerhard Oexle für das westliche Mittelalter festgestellt hat, war Memoria in Byzanz ein „totales soziales Phänomen“ (Marcel Mauss), das auf alle Bereiche der Gesellschaft wirkte, neben der Wirtschaft und Familienleben auch auf die Politik.

Obwohl die Memoria in der Mediävistik schon gut erforscht ist, was zum Teil auch für die Islamwissenschaften und Slawistik gilt, liegt bisher in der Byzantinistik kaum eine Untersuchung sogar kleineren Umfangs dieser Art vor. Daher wird mit „Memoria in the Byzantine World, ca. 500-1500” diese Forschungslücke gefüllt, und dabei werden nicht nur neue Einblicke in eine wichtige Praxis der byzantinischen Gesellschaft gewonnen, sondern auch unser Verständnis des byzantinischen Alltagslebens bereichert und differenziert.  


Vasily Vereshchagin: Defeated Requiem, 1878 - 1879.

Vasily Vereshchagin: Defeated Requiem, 1878 - 1879.

Mitarbeit

Dr. Zachary Chitwood

Säule
A. Kulturwandel und Kulturkontinuität