Personalentscheidungen im Byzantinischen Militär der Mittel- und Spätbyzantinischen Zeit

Das Projekt befasst sich mit der Vergabe von Führungspositionen im Byzantinischen Militär der Mittel- und spätbyzantinischen Zeit. Als eine der größten Organisationen innerhalb des byzantinischen Gemeinwesens, die eine enorme Breite an Posten, Tätigkeiten und sozialem Status ihrer Mitglieder aufweist, ist das Militär eng mit dem gesamtgesellschaftlichen Gefüge verknüpft. Personalentscheidungen im Militärapparat besitzen somit erhebliche Relevanz für die byzantinische Gesellschaft und den byzantinischen Staat insgesamt.

Auswahlkriterien wie Eignung, Herkunft, und Patronageverhältnisse sollen miteinander abgeglichen und hinsichtlich ihrer Wichtigkeit bei Personalentscheidungen untersucht werden. Es lassen sich in den Quellen sowohl explizit formulierte Kompetenzerwartungen finden, als auch werden informelle und strukturelle Kriterien sichtbar, die die Vergabepraxis von Positionen im Militär bestimmten. Hier lassen sich Kontinuitäten, aber auch Unterschiede im Laufe der Zeit, von der Spätantike bis in das byzantinische Mittelalter hinein, feststellen.
Die Auswahlkriterien sind eng mit den Zielen und den Erwartungen verbunden, die Staat und Gesellschaft an das Militär als Organisation stellten. Dabei ging es in der Praxis der Erlangung bzw. Besetzung von Militärposten durchaus nicht immer primär um die Effizienz der Organisation bei ihrer Aufgabenerfüllung im militärischen Bereich. Vielmehr diente das Militär wesentlich weitergehenden Zielen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, allen voran der Elite, die über Militärposten etwa Einfluss und sozialen Status zu erlangen suchte, oder des Herrschers, der Positionen im Militär als soziopolitisches Kapital handelt, mit dem wichtige Mitglieder der Gesellschaft entlohnt, versorgt und Hierarchien stabilisiert werden konnten.  
Schließlich soll auch die Bewertung von Erfolg und Scheitern solcher Personalentscheidungen in den Blick genommen werden. So war militärischer Misserfolg in der byzantinischen Generalität zwar durchaus ein Entlassungsgrund. Allerdings konnten auch andere, nicht unmittelbar militärbezogene Faktoren, wie politische Erwägungen oder familiäre Bindungen sowohl zum Karriereende militärisch erfolgreicher Militärs, als auch zum Ausbleiben negativer Konsequenzen nach Misserfolgen führen. Weiterhin sind Fälle belegt, in denen dem Staat die Kompetenz zur Personalentscheidung gänzlich abgesprochen wurde und sich Einzelpersonen selbst zu militärischen Führern ernannten. Diese wurden vom Staat entweder verfolgt, zuweilen wurde die Personalentscheidung jedoch auch nachträglich akzeptiert und legitimiert.

Leitung des Post-Doc-Projektes: Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch (Mainz)

Förderung

DFG - Deutsche Forschungsgemeinschaft


Leitung

Univ.-Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch

Mitarbeit

Tristan Schmidt M. A.

Säule
A. Kulturwandel und Kulturkontinuität