Sakralarchitektur, Ritus und Musik zwischen Byzanz und dem Westen (6.–15. Jahrhundert)

In byzantinischer Ost- und lateinischer Westkirche waren Ritus und Messfrömmigkeit von der Spätantike bis zum Spätmittelalter in entscheidendem Maße geprägt von dem Zusammenspiel liturgischer und musikalischer Praxis mit der Sakralarchitektur. Mit dem Bautypus der Kuppelbasilika und der Ausstattung mit Goldgrundmosaiken übte Byzanz insbesondere in der Sakralarchitektur einen nachhaltigen Einfluss auf Kirchenbauten im Westen aus, von der Cappella Palatina in Palermo über den Markusdom in Venedig bis zum Hohen Dom zu Aachen. Wie jüngere Forschungen gezeigt haben, reagierten byzantinische Sakralbauten nicht nur auf liturgische, zeremonielle und musikalische Anforderungen, sondern auch umgekehrt beeinflussten architektonische Innovationen den Ritus und die Kirchenmusik. Auch für den lateinischen Westen sind solche Phänomene an verschiedenen Sakralräumen im Mittelmeerraum herausgestellt worden.

Das Tagungsprojekt nimmt das bislang meist disziplinär separiert untersuchte Wechselspiel von Sakralarchitektur, Ritus und Musik von der Spätantike bis zum Spätmittelalter erstmals in vergleichender Perspektive zwischen Byzanz und dem Westen in den Blick und fragt nach Transferprozessen zwischen dem Byzantinischen Reich und dem Europa-Mittelmeerraum. Das dezidiert inter- bzw. transdisziplinäre Vorhaben richtet sich an Wissenschaftler*innen der Byzantinistik und Musikwissenschaft, der Liturgie- und Kirchen-, sowie der Kunst- und Architekturgeschichte. Die Tagung, die im Rahmen von Prof. Dr. Klaus Pietschmanns GFK-Fellowship und dem Forschungsprojekt CANTORIA ausgerichtet wird, schließt thematisch an die Tagung „Musik, Performanz, Architektur. Sakralräume als Klangräume in der Frühen Neuzeit“ an, die im Dezember 2019 am Deutschen Historischen Institut in Rom, der Bibliotheca Apostolica Vaticana und der Biblioteca Vallicelliana veranstaltet wird.

Die Tagung fand im Januar 2021 online statt. (Programm)


Leitung

Univ.-Prof. Dr. Klaus Pietschmann

Dr. Tobias Weißmann