GRK 2304 Byzanz und die euromediterranen Kriegskulturen (2019-2023)

Austausch, Abgrenzung und Rezeption

Kriege, innere und äußere, prägen die Entwicklung von Gesellschaften in entscheidender Weise. Das Byzantinische Reich stand schon auf Grund seiner geographischen Lage im ständigen Austausch und Konflikt mit Nachbarn und Konkurrenten. Daraus ergaben sich ein breites Spektrum an kriegerischen Auseinandersetzungen mit der lateinischen, slavischen und islamischen Welt und als Konsequenz vielfältige Wechselbeziehungen zwischen den jeweiligen Kriegskulturen, worunter wir die sich auf den Krieg beziehenden Normen, Deutungen, Sinnzuschreibungen und Reflexionen ebenso wie die Formen und Praktiken des Krieges verstehen.

Ziel dieses GRKs ist es, die euromediterranen Kriegskulturen und die Bedeutung von Byzanz für diese erstmals in transkultureller Perspektive zu untersuchen. Ausgehend von den beiden übergeordneten Forschungsfeldern "Ausdruckformen" und "Deutungskonzepte" sollen die wechselseitigen Prozesse des Austauschs, der Abgrenzung oder auch der Rezeption anhand von vier konkreten Themenbereichen untersucht werden: 1. Rechtfertigungs- und Begründungsstrategien; 2. Konzeptualisierungen von Personen und Gruppen; 3. Rituale und Kulte; 4. Wissen und Infrastruktur. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich dabei von der römischen Kaiserzeit, deren Berücksichtigung für das Verständnis der byzantinischen Kriegskulturen unverzichtbar ist, bis in die Frühe Neuzeit, als das byzantinische Erbe vor allem im osteuropäischen Raum noch unmittelbar fortwirkte. In dem interdisziplinär ausgerichteten GRK werden gleichermaßen Schriftquellen, Bildquellen, archäologische Objekte, Musik und weitere Medien untersucht und in Beziehung zu einander gebracht, um Mentalität wie Materialität und die damit verbundenen Semantiken von Kriegskulturen zu erfassen. Anhand eines konkreten Themenfeldes wird somit die große Bedeutung von Byzanz für die Kultur und Geschichte des euromediterranen Raums erstmals systematisch untersucht.

Laufende Projekte

"Semper vincimus". Die militärische Inszenierung des Herrscherhauses in der römischen Kaiserzeit  
Africam defendere. Byzantinische Fortifikationen in der nordafrikanischen Region Thugga im 6. und 7. Jahrhundert  
Beschreibungen der byzantinischen Kämpfer in schriftlichen byzantinischen Quellen während der Herrschaft der ersten palaiologischen Kaiser, 1259-1328  
Christliche Symbolik auf Militaria – Der christliche Krieger im Fränkischen Reich  
Die ‚Kriegshistoriographie‘ des Orosius – Geschichtsschreibung aus christlich-apologetischer Perspektive  
Gegen und mit Byzanz: Waräger und Slaven als Bedrohung von Byzanz in der Rezeption der russischen Text- und Bildkultur des 18. und 19. Jhs.  
Geprägte Gelübde – Untersuchungen zu den Votaprägungen anlässlich der Regierungsjubiläen der römischen Kaiser von Antoninus Pius bis Iustinianus I. (138 bis 565 n. Chr.)  
Honor, Sinur, Terminus. Conceptualization of border in Byzantines, Seljuk and Crusader cultures of war from the eleventh to the thirteenth centuries  
Illustrationen zur Kriegstechnik in byzantinischen Handschriften: Transfer und Adaption antiken Wissens in Byzanz  
K(eine) Sprache des Friedens? – Eine Untersuchung zur Semantik bei Tertullian  
Kämpfer auf dem Schlachtfeld – Kämpfer in den Texten  
Kreuzzugsdebatten auf den allgemeinen Konzilien des 15. Jahrhunderts  
Kriegertum in Grenzgesellschaften – Waffengräber des 4. –7. Jh. an der byzantinischen Donaugrenze  
Kriegsdarstellungen und Deutungen in frühneuzeitlichen Reiseberichten zum Osmanischen Reich  
Recollecting Conflict: Descriptions of war in Early Medieval Italian Narratives  
Speaking of War: Moldavian and Wallachian Perceptions to the Ottoman Threat during the 14th-16th Centuries  
Untersuchungen zur Rezeption byzantinischer Herrscherpersönlichkeiten und kriegerischer Auseinandersetzungen im italienischen Musiktheater der Frühen Neuzeit  
War Discourse in the Times of Crisis: Authorial Strategies in Byzantine Historical Literature of the 14th century  
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