“Aesthetic approaches between the early Christian, Byzantine and early Islamic world”

Orient und Okzident standen gerade im ersten nachchristlichen Jahrtausend in einem regen Kulturaustausch und haben sich gegenseitig geprägt. Die Anspielungen auf und Aneignungen durch die jeweiligen Kulturen spiegeln sich besonders in der Kunst in verschiedenen Epochen wider. So prägte die byzantinische Kunst die islamische stark, etwa im Falle der Mosaikkunst und Fayencekunst wie die Gestaltung der al-Aqsa-Moschee in Jerusalem illustriert. Auch zeigen sich orientalische Elemente und Motive in der europäischen Kunst des frühen und hohen Mittelalters, wie in der Malerei, in Goldschmiedearbeiten, dem Textil- oder Glashandwerk. Hier war der rege Handelsverkehr über das Mittelmeer eine wichtige Quelle für derlei Beeinflussungen und sorgte für Kontakte zwischen den Kulturen und für einen Austausch der Objekte und erweckte so Veränderungen in Geschmack, Mode und neuen kunsthandwerklichen Erzeugnissen an. Die intensiven Handelskontakte führten zu Veränderungen des Geschmacks, der Mode und der handwerklichen Produktion. Insofern lassen sich Orient und Okzident nicht voneinander trennen, wenn es darum geht, die kreativen und ästhetischen Prozesse in der Mitte des ersten Jahrtausends n. Chr. zu verstehen.

Die Fokussierung auf die künstlerischen Werke der Vergangenheit, dient zum einen dem Zweck das kulturspezifische Kunstschaffen zu kontextualisieren und als Ausdruck der verschiedenen Weltanschauungen zu reflektieren und zum anderen durch Kunst als anthropologische Universalie zu einer übergreifenden und humanistischen Perspektive zu gelangen und den gegenwärtigen Kulturdialog über die Reflexion des vergangenen Kulturdialogs konkret zu praktizieren. Hierdurch kann eine neue, erweiterte Diskursplattform für den Dialog zwischen den Projektbeteiligten erschlossen werden, die auch theologisch brisante Themen auf der Basis des künstlerischen Ausdrucks reflektiert und somit zu neuen, horizonterweiternden Erkenntnissen führt. Über den Austausch über die ästhetische Dimension lässt sich der Diskurs zwischen Projektpartnern vom Korsett der gegenwärtigen theologischen und politischen Debatten befreien und auf einer neuen Plattform realisieren. Hierbei sollen unter anderem folgende Themen/Fragen diskutiert werden:

  • Wie kann „Ästhetik“ in der islamischen und christlichen Tradition, besonders in der frühislamischen, frühmittelalterlichen europäischen, frühchristlichen sowie byzantinischen Tradition, verstanden werden? Lassen sich ein ästhetischer Diskurs oder gar „Theorien des Schönen“ erkennen und vergleichen, gegebenenfalls auch mit Blick auf eine Rezeption (spät-) antiker Ansätze?
  • Welche Motive/Formen finden sich in den verschiedenen Traditionen? Welches sind spezifische, welches verbindende Elemente?
  • Wie begründen sich ähnliche ästhetische Sichtweisen oder Regeln in der bildenden Kunst, etwa wie im Falle des Ikonoklasmus im byzantinisch-islamischen und europäischen theoretischen Diskurs? Welche ethnisch normativen Konzepte spielen hierbei eine Rolle?
  • Welche Schnittstellen gibt es in beiden Traditionen zwischen Kunst und Theologie? / Wie wird/wurde Kunst in Christentum und Islam durch ihre jeweiligen religiösen Strömungen geprägt? Wie fanden solche Prägungen statt?
  • Wie wird/wurde die europäische, byzantinische bzw. islamische Kunst/Kultur durch die jeweils anderen „Partner“ beeinflusst? Gibt es Ähnlichkeiten oder Unterschiede? Was waren die Wirkmechanismen, was die Formen und Wege des Kulturkontaktes zwischen Ostrom – Europa – Vorderer Orient?

Das Projekt nimmt diese Wechselwirkung in den Blick und zielt darauf ab, Brücken zwischen Disziplinen wie Kunstgeschichte, Byzantinistik und Islamischer Archäologie und zwischen Studierenden verschiedener Länder in der Türkei und Deutschland durch wissenschaftlichen und kulturellen Dialog zu schlagen.
Ziele des Vorhabens sind der Aufbau und die Entwicklung von akademischen Netzwerken ab der Studierendenebene, die Unterstützung des allgemeinen Austauschs auch mit außeruniversitären Partnern, die Entwicklung von curricularen Inhalten, welche aktuelle Forschungen berücksichtigen, und die Förderung von beruflichen Qualifikationen sowie interkulturellen Kompetenzen auch im persönlichen Bereich.

 

Beteiligte Partnerhochschulen:

Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Istanbul Technical University, Istanbul

Middle Eastern Technical University, Ankara

Support

Deutscher Akademischer Austauschdienst, 2024-2024 (Förderprogramm: „Hochschuldialog mit der Islamischen Welt“)